Wir danken Bettina Scholl für die tolle Berichterstattung.
Hier der Bericht zu unserem Festkommers:
Mein lieber Herr Gesangverein!!! ![]()
Unter diesem Motto feierte der MGV Liederkranz 1850 Niederzeuzheim e. V. und LautStark einer der ältesten Männerchöre Deutschlands, mit einem Festkommers und einem Sakralen Chorwettbewerb sein 175. Jubliäum – ein großartiges Festwochenende für Freunde der (Männer-) Chormusik! Grandios muss man es nennen, was der Verein dort mit rund einem Jahr Vorlauf auf die Beine gestellt hat.
Im vollbesetzten Saal der Mehrzweckhalle in Niederzeuzheim konnten die Besucher, unter ihnen bereits die beiden Juroren des Wettbewerbs am Folgetag, Dion Ritten Ritten aus den Niederlanden und Oscar Egle aus Österreich, einen interessanten und akribisch vorbereiteten Festkommerz erleben, den sie noch lange in Erinnerung behalten werden. Musikalisch gestaltet wurde der Abend von der Chorfamilie des MGV, dem Männerchor unter der Leitung von Jürgen Faßbender, dem gemischten Chor „LautStark“ mit 14 Personen, Leitung Jonas van Baaijen, der allerdings von Jürgen Faßbender an diesem Abend vertreten wurde, und dem MGV Cäcilia Horbach mit 25 Sängern, ebenfalls unter dem Dirigat von Jürgen Faßbender, der den Niederzeuzheimer Männerchor bereits seit 38 Jahren! leitet.
Der Abend startete mit einer sympathischen Eröffnungsrede des 1. Vorsitzenden Matthias Fritz, der mit Unterstützung von Familie und Vereinsmitgliedern über Monate für die Jubiläumsvorbereitungen im Großeinsatz war. Für die Moderation konnte man neben dem stets eloquenten Chorleiter Faßbender den in Niederzeuzheim aufgewachsenen ehemaligen Pfarrer Sascha Jung gewinnen. Gewinnen, im wahrsten Sinn des Wortes. Sascha Jung, Banker, ehemaliger Priester oder auch „Bischofsstörer“
war die perfekte Wahl. Er bereicherte die Veranstaltung charmant mit seinen humorvollen und mit Wissen angereicherten Anekdoten, mal verkleidet, mal spitzbübisch. Der Abend war in fünf historische Epochen gegliedert, die durch passende Chorstücke, filmische Beiträge und auch Sketche gefüllt wurden.
Herrlich war der in Szene gesetzte Dialog zwischen dem grollenden Pfarrer Urban (Sascha Jung), einem „Konsul Bellinger“ genannten Bürger (Peter Diefenbach) und der vom Pfarrer eingesetzten Spionin Fräulein Apolonia (Ewald Schlitt), der seinerzeit vor Ort stattgefunden haben soll. Man hatte den Pfarrer vorab weder über das geplante Sängerfest informiert, noch ihn gebeten, dafür Fahnen zu hissen. Als Retourkutsche beschimpfte dieser Sauferei, Tugend- und Hemmungslosigkeit beim stattfindenden Sängerfest. Als Höhepunkt setzte man die Pforte des Pfarrers mit Pferdemist zu und so konnte dieser den Himmelfahrtsgottesdienst nicht feiern. Er schäumte vor Wut. Alle standen unter Verdacht, den Pferdemist vor die Tür gesetzt zu haben, außer die Damen des Vereins der Jungfrauen. Später wurde Schulleiter Henkel, den der Pfarrer mitsamt seinen Sängern unter Verdacht hatte, auf dessen Betreiben strafversetzt. Ein herber Verlust, war dieser doch auch Leiter des Chores. All dies ist unter dem Stichwort „Flaggenstreit“ in der Dorfchronik zu finden.
1850, bei Gründung des Chores, hatte Niederzeuzheim gut 800 Einwohner, überwiegend Bauernhöfe und 19 Gaststätten! Ja, rechnet euch gerne aus, wie viele Einwohner auf eine Gaststätte kamen – ich war beeindruckt!
Die politische Situation war aufgeheizt. Männer suchten damals Zuflucht, Gesellschaft und Gemeinschaft ohne politische Konflikte. Und so entstanden die ersten Männergesangvereine, in denen man u.a. gerne die Natur besang, ein Thema der Romantik.
Der erste Liedbeitrag des gastgebenden Männerchores hieß dann auch „Der Männergesangverein“, eine Vertonung des zeitgenössischen saarländischen Komponisten Alwin M. Schronen, der derzeit mit seinen interessanten Kompositionen omnipräsent ist und von dem mit „Irish Drinking Blessing“ und „Ergo bibamus“ im Laufe des Abends zwei weitere Stücke zu Gehör kamen. Man hörte außerdem, dass es in Niederzeuzheim „beim Herrmann“ die erste „Alwin Schronen Fankneipe“ gibt. Insgesamt hatte Jürgen Faßbender wie immer stilsicher ein Programm gewählt, dass die Themen und präsentierten Zeitepochen des Abends wunderbar abbildete. Routiniert begleitet wurden zahlreiche Stücke von Bettina Scholl am Klavier.
Das Schronenstück erklang im ersten Block, für den man sich die „Gründerzeit“ von 1850 – 1900 vorgenommen hatte. Danach ging’s zur „Bel Epoche“ von 1900 – 1920, in die auch der Erste Weltkrieg fiel. 250 Niederzeuzheimer zogen in den Krieg, 31 davon kehrten nicht mehr heim.
Der Dritte Block, der sich auf die Jahre 1920-1950 bezog, wurde gesanglich von beiden Männerchören gemeinsam bestritten. Die Bühne war gut gefüllt mit einem mächtigen Männerchorklang, der mit Klangvolumen an frühere Zeiten erinnerte.
Moderator Sascha Jung benannte diese Epoche „Prohibition und Zeuzheimer Wirtschaftswunder“. „Es sei kein Wunder gewesen, dass Proben immer in der Gastwirtschaft stattfanden!“ Ganz nach dem Motto „Wir lassen uns das Trinken nicht verbieten“ seien 1923 selbst Tanzveranstaltungen aufs Beste besucht gewesen.“ Und all das trotz hoher Inflation – für die Zeuzheimer scheinbar kein Problem! ![]()
Im Vierten Block ging es um den „Kalten Krieg und warme Nächte“. Hier wurden langjährige Sänger geehrte, bekamen Ehrengäste wie der Bürgermeister der Stadt Hadamar, Michael Ruoff, Pfarrer Stefan Müller, Ortsvorsteher Erwin Schlitt und der Vorsitzende des Sängerkreises Limburg, Gerhard Voss, Urkunden und Spenden im Gepäck, Raum für Grußworte. Im fünften und letzten Block, 1990 – heute, ging es um „Reisen und die Öffnung zur Welt. Man hörte von spektakulären Reisen zu Wettbewerben nach Llanggollen/Wales, Wien oder auch Prag. 1990 gab es noch 7 Gaststätten im Ort und heute? Das ist ein anderes Thema….
Der Abend war denkwürdig, er machte deutlich, was der Einsatz von Ehrenamt vermag, wie wichtig das Ehrenamt für unsere Gesellschaft ist, welchen Wert Chöre für unsere Gesellschaft haben, dass das Thema politische Neutralität wieder brandaktuell ist und dass Chöre auch heute, genau wie 1850, Menschen einen neutralen Raum bieten können. Der Abend zeigte überdeutlich mittels einer Bilderwand, was Chöre neben musikalischer Bildung und Erlebnissen zu bieten haben: Gemeinschaft, Emotionen, Heimat, die interessantesten Reisen, Völkerverständigung, eine gemeinsame Geschichte und Lebenserinnerungen aller Choraktiven, die bis zum Lebensende verbinden.
Die Stimmung im Saal war hervorragend, die Temperatur außerhalb und im Saal hochsommerlich heiß, also im doppelten Sinne „ein heißer Abend“.
Als Überraschung gab’s für den Verein einen großen vorbestellten Jubiläumskuchen. Selbstverständlich wurde auch draußen noch weitergesungen, denn das sind mit die schönsten Momente eines solchen Abends, Momente, die verbinden und jeden zufrieden und glücklich nach Hause verabschieden.
Zwei der Überbringer von Grußworten wünschten dem Chor, dass er in 25 Jahren „noch“ sein 200. Jubiläum feiern möge. Was heißt denn hier „noch“? Selbstverständlich, natürlich und jetzt gerade! Ein Hoch auf die Chorkultur, ein Hoch auf den MGV Liederkranz 1850 Niederzeuzheim e.V. und auf alle, die sich für dieses Fest engagiert haben!











Und hier ein Bericht zu unserem Sakralen Chorwettbewerb – ebenfalls von Bettina Scholl verfasst:
Letztes Wochenende habe ich das 175-jährige Jubiläum des MGV Liederkranz 1850 Niederzeuzheim e. V. und LautStark @ besucht und hatte eine super Zeit dort. ![]()
Beim Laienchorwettbewerb mit sakralem Schwerpunkt am Sonntag trafen sich 19 Chöre aus der Region und aus benachbarten Bundesländern, um miteinander zu singen und sich aneinander zu messen.
Trotz kurzfristiger Absagen von vier der ursprünglich 23 angemeldeten Chöre und hochsommerlichen Temperaturen war der Wettbewerb ein tolles Erlebnis. Noch angenehme Temperaturen und die private Atmosphäre der Kirche schufen einen idealen Rahmen, um vor einem begeisterten Publikum zeitgenössische sakrale Werke zu präsentieren. Die räumliche Nähe zwischen Chören und Besuchern förderte eine besondere Verbundenheit, die den Geist des gemeinsamen Singens spürbar machte. Chöre und Choraktive genossen Begegnungen untereinander und die wie stets sehr besondere Atmosphäre an solchen Tagen.
Jürgen Faßbender konnte für den Wettbewerb die beiden international bekannten Chorleiter und Juroren Dion Ritten aus den Niederlanden und Oscar Egle aus Österreich gewinnen, die mit ihrer Expertise die Qualität des Wettbewerbs unterstrichen. Jürgen Faßbender übernahm die Moderation des Wettbewerbs, professionell, locker und sympathisch. Cornelia Fritz assistierte. Für alle ausgeschriebenen Klassen gab es Anmeldungen, acht der Chöre erhielten einen von Helbling ausgeschriebenen Förderpreis.
Der größte Chor des Wettbewerbs, der „ G.V. „HARMONIE“ 1879 Bernbach“/Spessart unter der Leitung von Matthias Schmitt mit 66 Sängern, errang mit 24 von 25 möglichen Punkten berechtigt den Klassensieg. Ebenfalls auf dem Siegertreppchen stand der heimische „MGV Sängerbund 1851 Dehrn“ unter Sebastian Kunz, der mit 65 Sängern ebenfalls seine Kategorie gewann. Auch dem gemischten „ensemble vocale Lindenholzhausen“ unter der Leitung von Andreas Jung gelang der Klassensieg mit 22,69 Punkten. Besonders hervorzuheben sind die „Singsations Westerwald“ unter Jessica Towse Burggraf, die mit beeindruckenden 24,19 Punkten die Tageshöchstwertung erzielten und sowohl den Dirigentenpreis als auch einen Förderpreis erhielten.
Während bei den großen Chorwettbewerben auf Landes- und Bundesebene der Fokus immer stärker auf semiprofessionellen Chören ruht und die Laienchorszene kaum noch eine Chance auf gute Bewertungen hat, bot dieses Format eine perfekte Plattform für Laienchöre. Beide Juroren waren hoch erstaunt darüber, was in unserer regionalen Laienchorszene an qualitativer Chorarbeit geleistet wird. „Hier in der Region lebt die Männerchorszene noch und das ist hervorragend“, hörte man vom Jurorenduo.
Bei der Preisverleihung wurde die große Wertschätzung der beiden Juroren für den Laienchorwettbewerb nochmals deutlich. In seiner Ansprache an die Chöre und Besucher, die in einer übervollen Mehrzweckhalle singend und mit Spannung auf die Bekanntgabe der Wertungen warteten, sagte ein sichtlich beeindruckter Dion Ritten in bestem Deutsch: „Ich werde Niederzeuzheim nach diesem Wochenende nie vergessen. Was hatten wir einen tollen Wettbewerb! Ein großes Kompliment an den Verein! Oscar und ich haben es sehr genossen. Wie wir hier zusammen sind, da könnte die ganze Welt etwas von lernen!“ Oscar Egle ergänzte: „Ich gratuliere herzlich zu diesem Festival. In Österreich würden sich keine Chöre zu einem solchen Wettbewerb melden. Das ist sensationell, dazu Gratulation.“
Ein besonderer Dank gilt dem MGV Niederzeuzheim, stellvertretend seinem ersten Vorsitzenden Matthias Fritz, der mit großem Einsatz und Unterstützung von Vereinsmitgliedern das Jubiläum über Monate akribisch vorbereitet hatte. Bereits am Vorabend begeisterte ein Festkommers, moderiert im Duo von Chorleiter Jürgen Faßbender und dem in der Region bekannten und in Niederzeuzheim aufgewachsenen ehemaligen Priester Sascha Jung, beide überaus eloquent, humorvoll und mit der Gabe ausgestattet, die Zuhörer zu fesseln. Mit Witz, Charme, Sketchen und einer durch Jürgen Faßbender sensibel gewählten Chorliteratur führten sie die Besucher auf eine Zeitreise von 1850 bis in die Gegenwart – ein unvergesslicher Abend.
Von traditionellen Chorvereinen ausgerichtete sakrale Wettbewerbe oder Volksliederwettbewerbe sind seltener geworden. Die Vorbereitung solcher Wettbewerbe ist sehr arbeitsintensiv und erfordert großes Engagement im Ehrenamt. Dieser Wettbewerb hat gezeigt, dass die Chorszene lebt und klingt, nicht zuletzt dank all derjenigen, die sich mit Leidenschaft und Idealismus im Ehrenamt für sie einsetzen.
Das Kräftemessen war nach dem Wettbewerb noch nicht beendet. Zwei der nachmittags teilnehmenden Chöre, „Vocale Plaidt e.V.“, Ltg. Janine Schmitt, und „@GC Cäcilia“ Dreikirchen“, Ltg. Wolfgang Tüncher erreichten dieselbe Punktzahl. Da ein Pokal nur einmal vergeben werden kann, entschied man durch ein „Bierwetttrinken“, wer den Pokal mit nach Hause nehmen darf. Der Gewinner „ertrank“ sich nicht nur den Pokal, sondern ebenfalls den frenetischen Beifall der Zuschauer. Zu erwähnen sind noch die zahlreichen jungen Nachwuchssänger, die stellvertretend für ihren Chor stolz ihren ersungenen Preis auf der Bühne entgegennehmen durften.
Chorleiter Alexander Schmitt war gleich mit zwei Chören des Sängerbund Oberflockenbach an der Bergstraße beim Wettbewerb vertreten. Nicht nur die Präsentation der Stücke begeisterte, sondern auch die spürbare Freude seiner Sängerinnen und Sänger beim Vortrag – einfach mitreißend! ![]()
Auch der MGV Eintracht 1877 Dorndorf e.V. unter der Leitung von Johannes Kalpers präsentierte sehr gut einstudierte Chormusik, die mit einem beachtlichen Ergebnis von 21,83 Punkten belohnt wurde.
Der Chorfamilie in Niederzeuzheim ist ein Jubiläumswochenende gelungen, dass in jeder Hinsicht positiv in Erinnerung bleiben wird und mit Optimismus in die Zukunft der Chorszene blicken lässt. Weiter so! „Wo man singt, da lass dich nieder, denn böse Menschen kennen keine Lieder!“









































